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Kinder

Die Brotdose: Wie wir Felix (und uns) überzeugt haben

·4 Min. Lesezeit
Die Brotdose: Wie wir Felix (und uns) überzeugt haben

Felix hat einmal die komplette Brotdose ungeöffnet mit nach Hause gebracht.

Die Erzieherin hat mir beim Abholen gesagt: "Felix hat heute Mittag gesagt, er hat keinen Hunger." Dann hat sie einen Blick auf die Dose geworfen und hinzugefügt: "Er hatte dann später die Banane."

Nur die Banane.

In der Dose waren: selbstgemachte Energy Balls, Reisbrot mit Avocado, Gemüsesticks, ein kleiner Behälter mit Hummus. Ich hatte mir wirklich Mühe gegeben.

Das war der Moment, in dem ich verstanden habe: Felix isst keine Mühe. Felix isst, was er kennt und was er mag.

Was Felix wirklich essen wird

Ich mache mir keine Illusionen mehr. Ich habe zwei Jahre versucht, die Brotdose zu optimieren. Jetzt akzeptiere ich: Es gibt eine Liste von Dingen, die Felix essen wird. Alles außerhalb dieser Liste ist Lotterie.

Sicher essbare Dinge:

  • Energy Balls (in beliebiger Menge — hätte er gerne drei pro Tag)
  • Reiscracker (die dünnen, salzigen)
  • Bananen
  • Haferflocken-Pancakes (kalt, in Stücke geschnitten — das hat sich entwickelt)
  • Kürbissuppe aus dem Thermosbecher
  • Kirschtomate + Gurke (wenn sie getrennt sind — zusammen: kein Interesse)

Definitiv nicht essbar:

  • Alles mit Tofu
  • Alles Grünes außer Gurke
  • "Komische Dinge" (situationsabhängig definiert)
  • Dinge, die "komisch aussehen"
  • Letzte Woche offensichtlich auch Avocado, die er die Woche davor noch gerne gegessen hat

Die Energy-Ball-Lösung

Ich habe mich abgefunden: Energy Balls sind der Kompromiß. Sie sind nahrhaft (Datteln, Nüsse, Haferflocken, Kakao), sie sind süß, sie sind handlich, und Felix mag sie wirklich gerne.

Seit wir regelmäßig Energy Balls machen — Mia und Felix machen die meistens zusammen am Wochenende — hat sich die Brotdosen-Quote verbessert. Nicht perfekt. Aber besser.

Mias Erfindung vom letzten Monat: Energy Balls mit einem kleinen Stück gefriergetrockneter Himbeere in der Mitte. Felix hat drei davon gegessen und dann gefragt, warum die "rot innen drin" sind. Als wir es erklärt haben, wollte er selbst welche machen. Das hat er dann auch.

Das ist vielleicht das Wichtigste, was ich gelernt habe: Kinder essen, was sie mitgemacht haben.

Was wir der Kita erklärt haben

Zu Beginn hatte ich ein schriftliches Info-Blatt dabei. Nicht aus Übertreibung — unsere Kita hat 60 Kinder und wechselndes Personal, da macht eine schriftliche Zusammenfassung Sinn.

Das Blatt hat enthalten:

  • Felix isst glutenfrei (Zöliakie in der Familie, Vorsichtsmaßnahme)
  • Felix isst vegan
  • "Glutenfrei und vegan" bedeutet: kein Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, keine Milch, kein Fleisch, keine Eier
  • Was er im Notfall essen kann: Obst, Reis, Kartoffeln, Gemüse ohne Dressing
  • Notfallkontakt wenn Fragen

Die Erzieherin Frau Bergmann war großartig. Sie hat direkt gefragt: "Und wenn beim Geburtstag Kuchen verteilt wird?" Ich hatte Glück: Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon ein glutenfreies Bananenbrot-Rezept von Lena, das ich in kleinen Portionen einfriere. Seitdem hat Felix immer ein Stück Bananenbrot im Gefrierfach der Kita für Geburtstage.

Das hat Frau Bergmann selbst organisiert. Manche Menschen sind einfach wunderbar.

Der Kindergeburtstag-Moment

Ich muss kurz von einem Kindergeburtstag erzählen, weil er typisch ist.

Felix war eingeladen. Normaler Geburtstag, normaler Kuchen, normale Würstchen. Ich hatte ihm seine eigene Dose mitgegeben: Energy Balls, Gemüse, ein kleines Stück Bananenbrot.

Er kam nach Hause und erzählte von dem Kuchen, den alle gegessen hatten. "Konnte ich nicht essen." Aber er klang nicht traurig. Er klang einfach... neutral.

Ich fragte: "War das okay für dich?"

Er hat kurz nachgedacht und dann gesagt: "Ich hatte ja meine Energy Balls. Die wollte Lukas auch haben, aber die waren für mich."

Ich musste kurz in die andere Richtung schaün.

Er war fünf. Und er hatte das komplett selbst sortiert.

Was wirklich in die Brotdose geht

Für alle, die konkrete Ideen suchen — hier ist, was bei Felix und Mia wirklich landet:

Hauptkomponente:

  • Reisbrot oder Maisbrot mit Hummus oder Mandelmus
  • Haferflocken-Pancakes in Stücken (friere ich portionsweise ein)
  • Reste vom Abendessen (z.B. kalte Linsenpfanne auf Reiscrackern)

Snack:

  • 2 Energy Balls (nicht mehr, sonst wird Mittagessen ausgelassen)
  • Reiscracker
  • Nussmix (ohne Erdnüsse, wegen Kita-Regeln)

Obst/Gemüse:

  • Immer dabei, wechselnd
  • Felix: Banane, Kirschtomate, Gurke in Scheiben
  • Mia: alles, Mia isst alles — sie ist der Traumkunde der Kita

Getränk:

  • Wasser, natürlich. Die Kita hat ohnehin Trinkwasser

Zeitaufwand am Morgen: Maximal 10 Minuten, wenn Energy Balls schon fertig sind. Meistens sieben.


Ich weiß, dass das nicht die perfekte Ernährungs-Checkliste ist. Felix isst keine bunte Gemüseplatte und keine ausgeklügelten Nährstoff-Kombinationen. Er isst, was er kennt und mag.

Aber er isst glutenfrei und vegan. Er ist gesund, er hat Energie, er rennt seinen Erziehern auf dem Spielplatz weg.

Das ist genug.

— Sarah