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Glutenfrei
Kinder

Wie Lena mit 15 mit unserer Ernährung umgeht

·3 Min. Lesezeit
Wie Lena mit 15 mit unserer Ernährung umgeht

Sarah schreibt heute.

Ich schreibe das, weil es ein Thema ist über das wir viel nachgedacht haben und das ich nirgendwo wirklich ehrlich beschrieben finde: Was passiert, wenn Kinder älter werden und plötzlich Meinungen haben? Wenn sie in eine Welt gehen, in der ihre Ernährung nicht normal ist?

Das Jahr in dem es schwierig wurde

Lena war dreizehn. Sie ist in der neunten Klasse, hat Freundinnen die Burger mögen, geht manchmal nach der Schule in ein Café und trinkt dort Chai Latte. Der Chai Latte enthält Milch.

Sie hat uns das irgendwann erzählt. Nicht defensiv, einfach so. "Ich trinke manchmal den Chai mit Milch."

Ich erinnere mich noch wie ich innerlich kurz überlegt habe, wie ich reagieren soll. Dann habe ich gesagt: "Okay."

Das war alles.

Michael hat mir hinterher gesagt, er hätte das nicht so gelassen genommen. Vielleicht. Aber ich bin Lehrerin. Ich sehe, was passiert wenn Eltern zu viel Druck machen bei Dingen die Jugendliche selbst entscheiden müssen.

In der Phase war Lena tatsächlich weniger konsequent als früher. Sie hat bei Freundinnen manchmal Dinge gegessen die sie zuhause nicht essen würde. Nicht Gluten (das ist ihr klar, das ist Papas Sache und sie kennt die Konsequenzen), aber tierische Produkte, Zucker.

Wir haben es kommentiert, einmal oder zweimal. Dann haben wir aufgehört.

Was dann passierte

Lena ist fünfzehn. Letzte Woche hat sie nach dem Abendessen erwähnt, dass sie einer Freundin erklärt hat, wie Zöliakie funktioniert.

"Hat sie nachgefragt?"

"Nein, ich hab einfach angefangen." Kurze Pause. "Sie fand das interessant."

Das ist die Lena von heute. Die von damals wollte das nicht anfaßen.

Ich glaube, was sich verändert hat ist Folgendes: Mit dreizehn war die Ernährung etwas, das ihr angetan wurde. Mit fünfzehn ist es etwas, das sie versteht und mit dem sie sich identifiziert — zumindest teilweise.

Sie isst nicht identisch mit uns. Sie macht Ausnahmen. Aber wenn sie erklärt, macht sie es aus Überzeugung, nicht aus Pflicht.

Was wir Eltern falsch und richtig gemacht haben

Falsch: In der schwierigen Phase zu oft nachgebohrt. "Hast du darauf geachtet?" ist eine Frage, die Jugendliche als Kontrolle empfinden, nicht als Fürsorge. Wir haben das zu oft gestellt.

Richtig: Die Ausnahmen akzeptiert ohne Drama. Wenn Lena bei einer Freundin Eis gegessen hat — okay. Das bedeutet nicht, dass unsere Familie kollabiert. Das bedeutet, dass sie fünfzehn ist.

Falsch: Einmal vor Lenas Freundin die Ernährungsregeln erklärt. Das war peinlich für Lena, das hätte ich sehen müssen.

Richtig: Das Essen zuhause so gut gemacht, dass es keine Bürde ist. Wenn das Zuhause-Essen gut schmeckt, ist es kein Verzicht. Lena bringt Freundinnen mit zum Essen. Das sagt mehr als jede Diskussion.

Was uns das gelehrt hat

Kinder die in einer bestimmten Ernährungskultur aufwachsen, brauchen Zeit um herauszufinden ob diese Ernährungskultur ihre ist. Das kann man nicht erzwingen.

Was man tun kann: Die Grundlagen vermitteln (warum wir so essen), gutes Essen kochen, und dann loslassen.

Lena isst heute größtenteils vegan. Nicht wegen uns — wegen ihr. Das ist ein Unterschied.

Felix hat Avocado noch nicht für sich entdeckt. Aber Felix ist fünf. Er hat Zeit.

— Sarah