Wochenmarkt statt Bio-Supermarkt: Was wir damit sparen

Ich muss ehrlich sein: Als wir angefangen haben, glutenfrei und vegan einzukaufen, haben wir unseren Einkauf zunächst in einen Bio-Supermarkt verlagert. Wir haben uns gut dabei gefühlt. Wir haben auch deutlich mehr Geld ausgegeben.
Irgendwann hat Sarah eine Tabelle gemacht. Was wir pro Monat für Lebensmittel ausgeben, aufgeteilt nach Kategorie. Das Ergebnis war erhellend und gleichzeitig erschreckend.
Wir sind eine sechsköpfige Familie. Vier Kinder, davon Jonas der ungefähr so viel isst wie zwei Erwachsene in der Wachstumsphase. Der Bio-Supermarkt war keine nachhaltige Lösung für unser Budget.
Der Samstag-Markt, der alles verändert hat
Hannover-Nordstadt hat einen Wochenmarkt. Jeden Samstag. Wir wohnen fünf Minuten zu Fuß entfernt.
Ich weiß nicht, warum wir das nicht früher ausprobiert haben. Wahrscheinlich weil der Markt nach Aufwand klingt und der Supermarkt nach Bequemlichkeit. Aber dann hat Sarah an einem Samstag einfach angefangen, dort einzukaufen, und seitdem ist der Markt Teil unseres Wochenrhythmus.
Der konkrete Unterschied: Kürbis im Bio-Supermarkt im Herbst — etwa 2,50 bis 3 Euro pro Kilo. Beim Markt: 1 bis 1,50 Euro, direkt vom Erzeuger, oft aus dem Umland Hannovers. Süßkartoffeln: ähnliches Bild. Kräuter: im Bio-Supermarkt 1,99 Euro für ein kleines Töpfchen, auf dem Markt kauft man einen ganzen Bund.
Das summiert sich. Bei Gemüse und Obst sparen wir schätzungsweise 20 bis 30 Prozent im Vergleich zum Bio-Supermarkt.
Was wir wo kaufen
Nicht alles bekommt man auf dem Markt. Und nicht alles, was man im Supermarkt kaufen kann, ist schlecht. Wir haben eine Art System entwickelt.
Wochenmarkt (samstags):
- Frisches Gemüse, saisonal und regional
- Salate, Kräuter
- Obst (nicht immer bio, aber frisch und aus der Region)
- Gelegentlich Hülsenfrüchte und Getreide von einem Biobauern-Stand
Rewe (der fußläufige Supermarkt):
- Grundvorräte: Reis, Pasta, Konserven, Dosentomaten
- Haferdrink, Kokosmilch, Pflanzenmilch
- Frische Bananen (für Jonas' Smoothies und Overnight Oats)
- Tofu und Tempeh
Bio Company oder Alnatura (1-2 mal im Monat):
- Zertifiziert glutenfreie Haferflocken (die gibt's im normalen Supermarkt oft nicht)
- Spezialmehl fürs Backen (Mandelmehl, Tapiokastärke etc.)
- Glutenfreie Brotmischungen wenn wir keine Zeit zum Backen haben
- Qualitativ hochwertige glutenfreie Pasta für besondere Anlässe
Online (1 mal im Monat, größere Bestellung):
- Getrocknete Hülsenfrüchte in großen Mengen (Linsen, Kichererbsen — da ist der Preis online günstiger)
- Nüsse und Samen
- Glutenfreie Spezialprodukte die nirgends lokal erhältlich sind
Der Händler als Vorteil
Auf dem Markt passiert etwas, das im Supermarkt nicht geht: Man kann fragen.
Bei Familie Özdemir, unserem Stammstand, fragen wir mittlerweile regelmäßig: "Was ist diese Woche besonders günstig?" oder "Was sollten wir jetzt kaufen?" Das sind keine dümmlichen Fragen — die Händler freuen sich darüber. Und wir bekommen echte Antworten: "Kürbis ist jetzt perfekt, kauft so viel ihr tragen könnt."
Einmal haben wir dort etwas bekommen, das wir gar nicht geplant hatten: eine große Menge Pastinaken zu einem sehr günstigen Preis, weil der Händler sie an dem Tag loswerden musste. Sarah hat daraus eine Pastinaken-Kokossuppe gemacht, die seitdem zum Winterrepertoire gehört.
Das ist der Unterschied: Auf dem Markt kocht man, was verfügbar ist. Im Supermarkt kauft man, was auf der Liste steht. Beides hat seinen Platz, aber wir haben festgestellt, dass die Markt-Variante uns kreativere Mahlzeiten beschert hat.
Was wirklich teuer bleibt
Ich will nicht so tun, als wäre glutenfreie Ernährung günstig. Das ist sie nicht.
Die teuren Kategorien:
- Glutenfreies Brot (selbst backen ist günstiger, aber zeitaufwendig)
- Glutenfreie Pasta (kostet das Doppelte bis Dreifache von normaler Pasta)
- Glutenfreie Mehlmischungen fürs Backen
- Qualitativ hochwertige Pflanzenmilch
Wir haben damit Frieden geschlossen. Diese Dinge kosten mehr, weil sie aufwendiger herzustellen sind. Wir kaufen sie in größeren Mengen wenn sie im Angebot sind und lagern sie. Online ist für solche Produkte oft günstiger als der Bioladen.
Was wir nicht mehr kaufen: teure glutenfreie Fertigprodukte (Kekse, Snacks, Müsliriegel). Die ersetzen wir durch selbst gemachte Energy Balls und Overnight Oats — günstiger, besser, und die Kinder wissen was drin ist.
Die ehrliche Rechnung
Mehr als vorher geben wir trotzdem aus. Eine Familie mit unserer Ernährung hat höhere Lebensmittelkosten als eine Familie mit konventioneller Ernährung — das ist schlicht die Realität.
Aber der Unterschied ist kleiner als gedacht, wenn man klug einkauft. Und es gibt Bereiche, in denen wir sogar gespart haben: Wir essen fast keine Fertigprodukte mehr, kaum Fleisch (war teurer als Linsen), und kaufen saisonal statt nach Laune.
Das macht nicht alles wieder wett. Aber es hilft.
— Sarah